"Let's rock"
Authentizität & Protest - das "Musikfilmfestival"
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann - und worüber zu schweigen unmöglich ist", das meinte einmal Victor Hugo. Könnte sein, dass man sich seiner erinnert dieser Tage - denn die Musik spielt bei der diesjährigen Berlinale eine Hauptrolle.
Da wäre zum Beispiel "Love, Peace & Beatbox" vom Regisseur Volker Meyer-Dabisch. "Beatboxer" heißen seine jungen Protagonisten, es sind Berliner Mund- und Stimmwunder. Maulhelden im wahrsten Sinne des Wortes. Ein neuer urbaner Szene-Sound, entwachsen mehr oder weniger der Hip Hop- und Graffiti-Szene. Wo andere mit Verstärkern und Technik dröhnen, gehen sie gänzlich auf "Unplugged" - der Mensch als Instrument. Im Kino bleibt einem bei diesen Maulhelden der Mund vor Staunen weit offen. Die Beat-Boxer können überall und sofort, brauchen nichts als sich selbst.
07.02.2008 [Archiv]
Ich habe Filme versprochen, die möglicherweise in die Schweiz rübermachen: „Love, Peace & Beatbox“ wäre so ein Kandidat, aber noch hat der Dokumentarfilm über die Berliner Beatbox-Szene nicht einmal einen deutschen Verleiher. An Volker Meyer-Dabischs Regie-Erstling, der im Rahmen der Jugendfilm-Sektion Generation läuft, stimmt eigentlich alles- im wahrsten Sinne des Wortes: Wie der gelernte Schauspieler sein Thema auch jenen zugänglich macht, die Beatboxen für eine Kampfsportart halten und das fünfte Element nur für einen Kinofilm oder Breakdance sagen aber B-boying meinen; die von den Berliner Platzhirschen gerappten Instant-Lectures über die und wichtiger: ihre Geschichte der jüngsten Hip Hip-Disziplin- und natürlich die wahnwitzige Virtuosität dieser Mundartisten, die ihre Schnauzen ausserdem so berlinerisch gegen das „dicke Eier“-Gehabe der Gangsta Posers aufreissen, dem sie die sozialen Aspekte ihrer Arbeit entgegenhalten, dass unsereins froh ist um die englischen Untertitel. Tagsüber malochen sie, gegen Abend holen sie die Kids aus dem Kiez von der Strasse und bringen ihnen bei, was man mit dem Mund sonst noch anstellen kann, ausser „ich ficke deine Mutter“ zu maulen. Und nachts treffen sie sich zu einem Battle, ist das Game over, besaufen sie sich hart. Maximum Respect – ja, ehrlich. (11.2. 08 Stefan Gubser)





